Den Menschen beim Leben zusehen

Tipps für das Wochenende in Osnabrück

Es ist Sommer, es ist Samstag, ich bin zuhause in Osnabrück und ich habe heute frei. Nachdem ich mich die ganze Woche mit den regionalen Sehenswürdigkeiten befasst, Besichtigungsprogramme für Reisegruppen zusammengestellt und jeden zweiten Abend ein anderes Event besucht habe, lautet mein Kontrastprogramm für das Wochenende: Den Menschen beim Leben zusehen.

Ruhig schwimme ich meine Bahnen unter den Kronen der Eichenbäume

Damit beginne ich am Morgen im Freibad – und zwar im „Moskaubad“ in der „Wüste“. Dort trifft sich allmorgendlich pünktlich um sechs – am Wochenende um sieben – eine eingeschworene Rentner-Clique. In der ersten Schwimmstunde des Tages werden hier die aktuellsten Neuigkeiten, von Fußball übers Wetter bis zum Brexit, lebhaft diskutiert. Ich wage mich unter die eiskalte Außendusche, um dann den Moment des Eintauchens ins 24-Grad-Becken umso mehr genießen zu können. Ganz ruhig ziehe ich meine Bahnen unter den Kronen der alten Roteichen mit Blick auf die denkmalgeschützte Tribüne von 1926 und lausche dem beruhigenden Geplauder der Frühschwimmer. Geduscht und umgezogen wird anschließend natürlich auch draußen. Die Umkleiden scheinen seit dreißig Jahren wie unverändert und ich genieße diese kleine Zeitreise in die großen Ferien meiner Kindheit.

Frisches Brot mit Butter und Serrano-Schinken auf dem Wochenmarkt in Osnabrück am Domhof - herrlicher Start in das Wochenende

Sehen und Gesehenwerden auf dem Wochenmarkt

Hellwach, erfrischt und hungrig erreiche ich mit dem Rad zehn Minuten später den nächsten Ort meines Samstagsvormittags-Programms. Ab acht Uhr erwartet mich Linde Müller in ihrem mobilen Biocafé auf dem Wochenmarkt zum Frühstück. Die Brötchen kommen von Bäcker Ulrich Läer in der Altstadt, belegt sind sie mit regionalem Ziegenkäse, italienischem Schinken oder Bio-Ei. Ich entscheide mich für eine dicke Scheibe Rosinenbrot mit frischer Butter und selbstgemachter Aprikosenmarmelade. Dazu, aus der italienischen Siebträgermaschine, einen Kaffee mit Biomilch. Lindes Kaffeewagen steht an der Nordseite des Marktes und von hier aus kann ich alles wunderbar überblicken. Samstags trifft sich ganz Osnabrück auf dem Wochenmarkt zu Füßen des Dom St. Peter. Hausfrauen und -männer kommen zum Einkaufen, junge Familien zum Frühstück, die Hautevolee zum Sehen und Gesehenwerden und die Szenegänger, um die weitere Planung für das Wochenende bei frisch gepresstem Orangensaft zu besprechen.

Weil ich heute Zeit habe, gönne ich mir einen zweiten Kaffee – das ist mein Samstags-Luxus – und sehe den Menschen beim Leben zu.

Später, wenn die Geschäfte öffnen und sich die Innenstadt füllt, werde ich eine Ruhe-Oase ganz in der Nähe aufsuchen…

Wochenende-wochenmarkt1

Gut zu wissen:

Moskaubad: Das Freibad ist von Mitte Mai bis Mitte September täglich von 6 bis 21 Uhr (Sa/So ab 7 Uhr) geöffnet. Zur Namensherkunft gibt es verschiedene Theorien: Eine Möglichkeit ist die Ableitung von einem Kaffeehaus „Moskau“, das sich im 19. Jahrhundert hier befand. Auch eine Verbindung zum Rückzug Napoleons aus Russland 1812 ist möglich. Eine andere Herkunft wird in „Moskau“ als eine plattdeutsche Bezeichnung für „moosige Aue“ vermutet. (Quelle: Wikipedia)

Wüste: Die Wüste ist mit knapp 14.000 Einwohnern der einwohnerstärkste Stadtteil Osnabrücks. Der Name „Wüste“ erinnert an die ursprüngliche landschaftliche Beschaffenheit des heutigen Stadtteils: Dort befand sich früher ein eiszeitlich gebildetes Niedermoor, das „wöst“ (plattdeutsch: unbewohnbar) war. (Quelle: Wikipedia)

Lindes KostBAR: Kaffee, Tee, Biosäfte, Suppe, Quiches, Kuchen, belegte Brötchen und mehr. Donnerstags auf dem Wochenmarkt am Ledenhof in Osnabrück, freitags auf dem Bramscher Wochenmarkt, samstags auf dem Wochenmarkt am Dom in Osnabrück.

Verfasser
Christine Rother
... ist seit der Grundschule Osnabrückerin, jedoch erst nach ein paar Jahren Fremdgehen als überzeugte Lokalpatriotin heimgekehrt. "Seit 15 Jahren lebe ich nun als glückliche Wüstenbewohnerin in eben diesem Stadtteil ganz in der Nähe meiner Lieblingsorte wie dem Moskau-Freibad und dem Hörner Bruch. Meinen Arbeitsplatz in der Osnabrücker Altstadt, auch ein Lieblingsort, erreiche ich von hier aus mit dem Rad. In der Mittagspause trifft man mich in einer der lokalen Kaffeeröstereien oder, immer donnerstags, auf dem Wochenmarkt am Ledenhof."

Kommentare

2 Kommentare
  1. von
    Udo
    20. Juli 2016 Antworten

    Hallo,
    das wunderbare Lebensgefühl auf dem Wochenmärkten genießen auch ich und meine Kollegen von den Gemüsegärtnern aus Kalkriese. Unseren Pausenkaffee und das „Pausenbrot“ holen wir immer bei Linde ab, wir stehen ja auch direkt neben ihr (oben auf dem Bild) und in Kalkriese sind wir auch direkte Nachbarn.
    Also wir sehen uns am Samstag auf dem Markt!

    Gruß Udo

  2. von
    Christine Rother
    21. Juli 2016 Antworten

    Hallo Udo,
    genau, wir sehen uns am Samstag! Der Einkauf an Eurem Stand bei den fröhlichen Kolleginnen und Kollegen gehört natürlich auch zu meinem samstäglichen Genuss-Programm…

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