Die Welt mit Zuckerguss

Winterwandern auf dem Hollager Berg

Zum Winterwandern in Niedersachsen braucht ihr nicht bis in den Harz zu fahren, das geht ganz wunderbar hier bei uns im Unesco Global Geopark TERRA.vita. Und das Beste – Winterwandern bietet ganz andere Reize als wandern im Sommer. Alleine mit seinen Gedanken durch einen verschneiten Winterwald zu laufen macht wirklich glücklich. Die Natur in der kalten Jahreszeit wahrzunehmen, die kleinen und großen Unterschiede zu bemerken, ist spannend, vor allem wenn es vertraute Landschaften sind. Bei Schnee sieht alles anders aus und die Orientierung fällt nicht ganz so leicht wie im Sommer. Zum Glück sind die Wanderwege auf und rund um den Hollager Berg in Wallenhorst gut markiert. Es sind fünf an der Zahl, mit einer Länge zwischen acht bis zehn Kilometern. Das sind Entfernungen, die auch bei sehr kalten Witterungsbedingungen gut zu schaffen sind.

Markierungszeichen von Wanderwegen beim Winterwandern auf dem Hollager Berg bei Wallenhorst im Osnabrücker Land.

In einem Winterwald lassen sich auch wunderbar Tiere beobachten, einerseits weil meist kein schützendes Laub die Sicht versperrt, andererseits, weil ihre Fährten im Schnee besser zu erkennen sind. Ich muss zugeben, dieser Wald wird von Hundebesitzern sehr gern zum spazieren gehen genutzt, daher sind an diesem Tag die meisten Spuren, die ich entdecken kann vom gemeinen Haushund jeder Größe.

Aber ich sehe auch andere Fährten, darunter Vogelspuren, aber auch Spuren von Hasen, Kaninchen oder Rehen.

Winter? Ab nach draußen!

Es ist ganz egal, wo ihr die Landschaft unsicher macht. Im Teutoburger Wald, rund um den Piesberg, hier auf dem Hollager Berg oder auch in der Maiburg im Norden vom Osnabrücker Land. Hauptsache raus! – ist die Devise auch im Winter. Auf dem Hollager Berg gibt es verschieden lange Rundwege, sie sind durch Zahlen von 1 – 5 gekennzeichnet und zusätzlich auf zwei Tafeln am Waldrand verzeichnet. Diese Infotafeln stehen an der Bergstraße und am Eingang des Steinbruchs am Heimathaus „Hollager Hof“. Die Wege sind abwechslungsreich und die Landschaft ist vor allem geologisch interessant. Neben einem ehemaligen Kalksteinbruch gibt es dort Dolinenfelder.

Hey, hier war mal Mee(h)r

Eine Doline ist einfach gesagt ein runder oder ovaler, eingesackter Bereich im Boden. Also meist trichter- oder kegelförmig. Entstanden ist sie durch Auswaschung und Erosion von leicht löslichem Gestein, wie in diesem Fall Kalkstein. Der Boden gibt mit der Zeit nach und sackt ein. Bodenbildung findet weiter statt und so sieht man schon nach recht kurzer Zeit nur noch eine Landschaft voller größerer und kleinerer Senken. So gehen auch die Wege Berg auf und Berg ab und es wird nicht langweilig. Winterwandern auf dem Hollager Berg im Osnabrücker Land. Einen alten Kalksteinbruch kann man ebenfalls besichtigen.

Der anstehende Kalkstein ist vor 235 Mio. Jahren in dem Erdzeitalter des „unteren Muschelkalks“ entstanden. Tierische Fossilien werdet ihr dort eher nicht finden, versteinerte Pflanzenteile schon. Aber wie auch immer, schaut euch mal die Schichtung der Gesteine ganz genau an, ist es nicht faszinierend, wie sich die Erdoberfläche über Millionen von Jahren durch verschiedene Prozesse, Druck und Temperatur verändern kann?

Eine Person vor dem Kalksteinbruch am Hollager Berg.

Einfach märchenhaft

Nachdem ich mich etwas im Steinbruch verloren und das Zusammenspiel von Licht, Moos, Gestein und Wasser genossen habe, ging meine kleine Wanderung am Nachmittag weiter. In manchen Teilen des Waldes sieht es fast märchenhaft aus. Dazu die Stimmung, die durch den Schnee gedämpften Geräusche und hin und wieder ein Knacken aus dem Unterholz, was mich dann doch manchmal erschrickt. Teilweise ist es wirklich etwas unheimlich. Ich treffe auch fast niemanden. Scheinbar geht bei solchen Temperaturen und Witterungsbedingungen niemand im Wald wandern? Hoffentlich ihr bald – es lohnt sich! Den Kopf frei kriegen, die Ruhe genießen, glücklich sein und die positiven Eigenschaften des Waldes genießen. Die Luft ist rein und kühl und enthält durch den Wald viel Sauerstoff. Das tut so richtig gut. Versunken in meine Gedanken verfliegen Zeit und Strecke wie im Nu.

Verschneiter Wald im Nebel beim Winterwandern auf dem Hollager Berg bei Wallenhorst im Osnabrücker Land.

Tipps und Tricks für die Winterwanderung

  • Bewährt hat sich bei mir der Zwiebel-Look: Atmungsaktives Shirt und Pullover, darüber ein Fleecepullover und noch eine wind- und wasserdichte Jacke. So könnt ihr euch je nach Bedürfnis und Anstrengung entblättern oder einmummeln und beugt so einer Erkältung vor.
  • Auch wenn es auf Anhieb gar nicht so kalt erscheint, sind Handschuhe, Schal und Mütze dennoch empfehlenswert, auch auf kurzen Touren, da durch den Kopf und alle unbedeckten Körperteile sehr viel Wärme verloren geht.
  • Und ich empfehle dringend wirklich robuste, dichte Schuhe und warme Wandersocken. Es gibt nichts schlimmeres, als beim Winterwandern kalte Füße zu bekommen. Dazu eine warme, lange Unterhose und darüber eine robuste Outdoorhose.
  • Um unterwegs beim Rasten trocken und warm zu bleiben, nehme ich ein flexibles, wasserfestes Sitzkissen mit, das wird einfach in den Rucksack geknautscht und nimmt wenig Platz weg.
  • Auch im Winter solltet ihr dran denken, eine Kleinigkeit zu trinken und zu essen mitzunehmen, denn das Laufen durch Schnee oder Kälte kann auch schon mal anstrengend werden.
  • Für alle mit empfindlicher Haut, kann auch im Winter ein Sonnenschutz für das Gesicht nicht schaden.

Hänge von Dolinen im Wald auf dem Hollager Berg im Osnabrücker Land.

Gut zu wissen

Mehr über die Wandertouren am Hollager Berg findet ihr im Routenplaner von TERRA.vita.

Einkehrmöglichkeiten in der Nähe:

Gasthaus Barlag

Öffnungszeiten:

Mo. 17 Uhr – 22 Uhr

Di. – Fr. 11 Uhr – 14 Uhr sowie ab 17 Uhr

Sa. 11 Uhr – 13 Uhr sowie ab 17 Uhr

So. 9 Uhr bis 12 Uhr sowie ab 17 Uhr

Pizzeria Picobello

Öffnungszeiten:

täglich 18 Uhr bis 24 Uhr

Bäckerei Brinkhege

Öffnungszeiten:

Mo. – Fr.  6 Uhr – 18 Uhr

Sa.             6 Uhr – 17 Uhr

So.             7 Uhr – 17 Uhr

Verfasser
Kathrin Krockauer
… hat schon in Berlin, Köln und Hannover gelebt. "Nun wohne ich mitten in Osnabrück und lerne die Stadt und das Osnabrücker Land langsam aber sicher kennen und lieben. Zusammen mit Freunden, Fahrrad oder Pferd erkunde ich häufig die unterschiedlichen Seiten der Region, aber genauso wie aktiv zu sein, liebe ich es auch einfach mal die Seele baumeln zu lassen."

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