Es grünt so grün

Mit Waldbaden im Osnabrücker Land den Frühling begrüßen

Schaust du derzeit über die Wälder hinweg, so siehst du bereits diesen frisch-grünen Schimmer auf den Bäumen, irgendwie riecht auch die Luft schon nach Frühling, und dem Winter darfst du nun getrost Adieu sagen. Wie wäre es, wenn du dieses Jahr die erwachende Natur beim Waldbaden begrüßt?

Eintauchen in die Waldatmosphäre

Um gleich Missverständnissen vorzubeugen, die Badesachen kannst du getrost zu Hause lassen: beim Waldbaden nimmt man kein Bad in einem See oder Flüsschen. Tauchen wirst du trotzdem: und zwar mit allen Sinnen ein in die heilende Atmosphäre des Waldes, du lässt dich von deinem Gefühl treiben, schließt die Augen oder erfreust dich am Augen-Blick. Ein Waldbad hat einen wunderbaren Effekt auf Körper, Geist und Seele. Es hebt die Laune und sorgt für ein inneres Gleichgewicht. Gerade nach den langen Wintermonaten ist das genau das Richtige, was wir brauchen. Die Natur erwacht und mit ihr unsere Lebensgeister. Der Wald ruft uns, und diesem Ruf sollten wir folgen.

Also joggen, wandern, Rad fahren? Oder was hat es mit dem Waldbaden auf sich?

Während wir bei den genannten sportlichen Aktivitäten sicher hin und wieder aus der Puste kommen, bewegen wir uns beim Waldbaden sehr langsam, bleiben auch einmal stehen, setzen uns auf einen Baumstumpf, genießen alles rund um uns herum im Schneckentempo. Und dabei schnappen wir ganz gewiss nicht nach Luft. Das Gesunde daran ist gerade diese Langsamkeit, das Entschleunigen, das „Einen-Gang-Herunterschalten“, das heute so Vielen im Alltag schwerfällt. Kleinere Meditationen, Achtsamkeits-, Wahrnehmungs- und Atemübungen während des Waldbadens unterstützen die heilsame Wirkung.

In Japan macht man Shinrin Yoku

Die Praxis des Waldbadens kommt aus Japan, dort nennt man es Shinrin Yoku. In Japan hat man in den 80-er Jahren damit begonnen, staatlich organisierte Waldveranstaltungen anzubieten, um die Menschen in den Wald zu bekommen, damit sie ihren Stress besser bewältigen lernen. Heute sind die Erkenntnisse sogar wissenschaftlich belegt: Waldbäder senken die Stresshormone und den Blutdruck, erhöhen die Anzahl und Aktivität der für unser Immunsystem so wichtigen Killerzellen, steigern die Konzentration des herzschützenden Hormons DHEA und aktivieren unter anderem unseren Ruhenerv, den Parasympathikus. In Japan und Südkorea ist das Waldbaden seit Jahren eine von den Gesundheitsbehörden anerkannte Stressbewältigungsmethode. Ganz so weit sind wir hier in Deutschland allerdings noch nicht. Dabei wäre es so einfach, Menschen zur Vorbeugung von stressbedingten Krankheiten Waldbäder zu verordnen…

Sich im Wald sportlich betätigen ist gesund; klar, das wissen wir seit Generationen. Jedoch wirst du erstaunt sein, wie sehr entspannend das Waldbaden, bei dem wir achtsam die Natur ergründen, sein kann.

Geführte Waldbäder im Osnabrücker Land – wegweisend für Deutschland

Ich lade dich ein, es einfach einmal auszuprobieren: dazu gibt es jetzt im Osnabrücker Land als erste Region in Deutschland sogar die Möglichkeit, mit ausgebildeten „Kursleiter/innen für Waldbaden“ in den Wald zu gehen. Während der Ausbildung lernen die Expert/innen für Waldbaden Menschen achtsam und aufmerksam durch die Natur zu begleiten. Für dich als Teilnehmer/in an diesen geführten Waldbädern hat das den Vorteil, dass du dich einfach fallen lassen kannst. In fachkundigen Händen aufgehoben, brauchst du dich nicht um den Weg und die Zeit zu kümmern, du kannst alles abgeben. Alleine das ist so befreiend.

Du lernst nicht nur Übungen für die Entspannung im Wald kennen, sondern erhältst auch wertvolle Tipps für zu Hause und den (Büro-)alltag. Denn das ist ebenfalls besonders an den geführten Waldbädern, sie sollen noch über den eigentlichen Termin hinauswirken.

Waldbaden auf der LaGa in Bad Iburg

Ein Waldbad lässt sich übrigens auch in deinem Garten unter einem Apfelbaum oder in einem Stadtpark machen. Oder in einem Waldkurpark wie dieses Jahr bei der Landesgartenschau in Bad Iburg.

Dort im Waldkurpark erhältst du von „Kursleiter/innen für Waldbaden“ in kurzen Einheiten einen Einblick ins Waldbaden. Oder du genießt an besonders lauschigen Plätzen des Waldkurparks deine ganz persönliche Wald-Entspannung. Bad Iburg freut sich auf deinen Besuch.

Kleine Einführung in dein persönliches Waldbad

Zum Abschluss noch ein paar Anregungen, wenn du dich jetzt gleich alleine waldbadend auf den Weg machen möchtest:

  • Gehe bewusst langsam – für etwa 2 Stunden brauchst du nicht mehr als 2-3 Kilometer zu laufen (du siehst, das ist wirklich langsam), die Gesundheitswirkung des Waldbadens ist also auch für Menschen mit ganz wenig Kondition gegeben.
  • Bleibe öfters stehen und schaue dich um, was siehst du rechts und links neben dir, was gibt es vor und hinter dir zu entdecken, was oben und unten?
  • Schaue nicht nur, rieche und höre bewusst in alle Richtungen. Nimm etwas Laub in die Hand und stecke die Nase hinein. Welche Erinnerungen kommen auf? Schließe die Augen, was fühlst du? Den leichten Windhauch vielleicht? Oder…?
  • Dann schlendere wieder ein Stück weiter, setze dich auf einen Baumstumpf, einen Stein oder eine Bank. Wenn du möchtest, kannst du wiederum die Augen schließen, lausche auf deinen Atem, so wie er kommt und geht – ohne irgendetwas am Rhythmus deines Atmens zu verändern. Das gibt dir mit der Zeit eine tiefe innere Ruhe. Bleibe bei der Übung so lange du möchtest.
  • Gehe achtsam, aufmerksam, ohne ein bestimmtes Ziel vor Augen weiter und genieße mit allen Sinnen die erwachende Natur
  • Raste, wann und wo du möchtest. Du kannst dabei etwas essen und trinken oder in einem schönen Buch lesen. Auch das ist Waldbaden. Alles, was dir wirklich guttut. Höre auf deine Bedürfnisse.

Am Anfang und Ende deines Waldbades solltest du bewusst für einige Minuten zur Ruhe kommen.

Jetzt ist eine schöne Zeit zum Waldbaden, aber es geht natürlich zu jeder Jahreszeit. Du wirst immer wieder Neues entdecken, oder auch Altes ganz neu. Und vielleicht entdeckst du sogar dich selbst ganz neu.

Ich wünsche dir viel Freude beim achtsamen Waldbaden.

Gut zu wissen

Nicht nur auf der Landesgartenschau in Bad Iburg, sondern auch andernorts bietet das Osnabrücker Land bietet beste Voraussetzungen für das gesunde Bad im Wald. Im milden Klima des Waldmeister-Buchenwaldes auf dem Blomberg bei Bad Laer laden ab Mai ausgebildete Kursleiter zum Waldbaden ein. „Mit dem Blomberg vor der Tür ist Bad Laer bestens fürs Waldbaden geeignet“, weiß die frisch gebackene Kursleiterin Brigitte Vedder. Einen eigenen Eindruck von dem erholsamen Effekt, den ein Waldbad verspricht, können sich Interessierte schon am 28. April 2018 im Rahmen eines kostenlosen Schnuppertermins verschaffen. Von 15 bis 17 Uhr geht es für die Teilnehmer dann in den Wald.

Weitere Termine zu einer Teilnahmegebühr von je 5,00 Euro sind für folgende Termine geplant:

  • 19.5. | 16 – 18 Uhr
  • 23.6. | 15 – 17 Uhr
  • 08.7. | 15 – 17 Uhr
  • 11.8. | 15 – 17 Uhr
  • 08.9. | 15 – 17 Uhr
  • 20.10. | 15 – 17 Uhr

Anmeldungen für die Führungen nimmt die Bad Laer Touristik entgegen unter
Tel. 05424 -291188 | touristinfo@bad-laer.de.

Wer noch mehr Waldluft schnuppern möchte, kann rund um Bad Essen auf den ab Mai angebotenen „Waldspaziergängen“ seine bewusste Naturwahrnehmung stärken. Immer samstags um 14.30 Uhr geht es für eine Stunde in den Bad Essener Wald. Treffpunkt ist der Schafstall an der Bergstraße. Die Spaziergänge bieten je nach Thema ganz unterschiedliche Erlebnisse. Je nach Begleitung werden Yogaelemente, allgemeine Bewegungselemente, Qui-Gong, bewusste Naturwahrnehmung oder auch Naturgedichte den Waldspaziergang bereichern.

Die Anmeldung erfolgt über die Tourist-Info Bad Essen unter Tel. 05472-94920 | touristik@badessen.de.

Gemeinsam mit dem Tourismusverband Osnabrücker Land e.V. wird auch das Sole-Heilbad Bad Rothenfelde von April bis Juni unter Leitung der renommierten Entspannungspädagogin Annette Bernjus eine Ausbildung zum „Kursleiter Waldbaden“ anbieten. Diese werden dann künftig rund um den „Kleinen Berg“ mit seinen Rundwanderwegen und einem Teilstück des Ahornwegs Gesundheitssuchende in der heilsamen Wirkung von Waldbädern unterweisen.


Ein herzlicher Dank für die in diesem Beitrag verwendeten Fotos geht an Imma Schmidt.

Verfasser
Annette Bernjus
Annette Bernjus ist Entspannungspädagogin, Meditationslehrerin, Stress- und Burnout-Coach sowie Kursleiterin im Waldbaden. „Ich lebe im Taunus und bade dort gern gemeinsam mit meinem Hund stundenlang im Wald. Meinen ersten Einblick ins Osnabrücker Land erhielt ich bei den Vorbereitungen für die Landesgartenschau in Bad Iburg und war sofort sehr begeistert von der Natur hier, und besonders von den Menschen, die mich so freundlich aufgenommen haben. Deshalb ganz klar mein Ziel für die nächste Zeit: noch viel mehr vom Osnabrücker Land kennenzulernen.“

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