Auf Gold gestoßen

Schatzsuche im Osnabrücker Land

Seit 1988, also seit nunmehr 28 Sommern wird auf dem Gelände des Museumsparks Varusschlacht im Osnabrücker Land archäologisch geforscht und ausgegraben. Scherben, Knochenreste, Werkzeuge: von der berühmten Schlacht um 9 n.Chr. ist hier im Boden von Kalkriese noch eine Menge zu finden. Spannend, ja. Aber natürlich auch oft Routine. Der Alltag eines Archäologen eben. Aber manchmal, manchmal gibt es diese Tage. An denen ist die Welt mit einem Schlag um einen Schatz und ein Stückchen Geschichte reicher.

Glück? Zufall? Oder doch die Spürnase der Archäologen?

9. Juni 2016 – Einige Tage zuvor war ein neuer Suchschnitt auf dem Gelände angelegt worden. Nur einige, wenige Funde traten hier zu Tage. Viel war auch nicht erwartet worden. Denn der Eschauftrag, der an anderen Geländestellen seit Jahrhunderten eine dicke Schutzschicht bildet, war in diesem Bereich nur noch sehr dünn. Auch galt dieser Teil des Geländes als sehr feucht und damit nicht erfolgsversprechend für archäologische Funde. Neben der wissenschaftlichen Forschungsgrabung wurde dann aber ein neuer Schnitt aufgemacht, weniger aus wissenschaftlicher Neugierde, sondern aufgrund eines im kommenden Jahr anstehenden Bauvorhabens. Glück? Zufall? Oder doch die Spürnase der Archäologen?

Alltag der Archäologen in Kalkriese: Vermessen, kartieren, graben und wieder vermessen

Eine goldige Familie

Denn was dann passierte, sprengte jegliche Vorstellung. Grabungsleiter Marc Rappe hatte gerade seine Baggerschaufel angesetzt, da „sprang“, wie Prospektionstechniker Klaus Fehrs später immer wieder staunend betonte, ihm bereits die erste Münze vor die Metallsonde. „Ich hatte das Suchgerät noch gar nicht angesetzt, da sehe ich bereits auf der Fläche etwas funkeln. Im ersten Moment habe ich gedacht, dass das vielleicht ein Alupapier von einem Kaubonbon ist.“ Kein Alu sondern ein Aureus. Fünf weitere Münzen wurden im direkten Umfeld sofort, zwei weitere am folgenden Tag gefunden. Alle acht Goldmünzen, sogenannte Aurei, sind vom kaiserzeitlichen Gaius-Lucius-Typ. Sie sind nach den Enkeln und Adoptivsöhnen des Augustus benannt, die auf der Rückseite der Münzen dargestellt sind. Ihr Prägedatum bestätigt die bisherige Datierung des Fundorts Kalkriese.

Der Mythos Varusschlacht lebt weiter

Neue Erkenntnisse über die Varusschlacht lassen sich aus den Münzfunden daher zunächst nicht ableiten. In einer einzelnen Grabung auf eine solche Menge an augusteischen Goldmünzen zu stoßen, hat an sich schon Seltenheitswert. Die eigentliche Faszination des Fundes liegt aber darin, dass auf einem Areal, über das tagtäglich Hunderte von Besucher laufen, noch solche Schätze im Boden auf ihre Entdeckung warten. Das Gelände der Varusschlacht ist damit nicht einfach nur ein Museumspark, sondern ein Stück europäische Geschichte, das hier weiter geschrieben wird. Der Mythos um Arminius, Varus und Thusnelda, um Verrat, Macht und Liebe bleibt in Kalkriese lebendig. Und das Osnabrücker Land bleibt für archäologische Forschungen auch weiterhin spannend.

Gut zu wissen

Im Museum und Park Kalkriese - Varusschlacht im Osnabrücker Land laufen die Vorbereitungen für die neue Ausstellung "Neues Gold aus Kalkriese"

Neugierig geworden? Dann auf nach Kalkriese! Hier erfahrt ihr alle spannenden Fakten über diesen außergewöhnlichen Fund.

Mehr Hintergrundinfos über den Goldfund und seine Entdecker, die Varusschlacht und die im Museum laufenden Ausstellungen bekommt ihr bis dahin hier.

Die Varusschlacht mit dem Rad entdecken könnt ihr beispielsweise auf dem 66 km langen Terra.trail 02.


Verfasser
Andreas Böcker
… weiß genau, wo (der) die Hase (ver)läuft. Der archäologiebegeisterte Historiker lebt in Münster stammt aber aus dem Ruhrgebiet. „Deshalb sind mir alle Lokalpatriotismen fremd. Im Pott interessiert es keinen, ob du aus Westfalen oder dem Rheinland bist oder gar aus dem Osnabrücker Land“, sagt er augenzwinkernd. Berührungspunkte mit der Geschichte des Osnabrücker Landes ergaben sich für den gebürtigen Essener neben der Arbeit im Museumspark in Kalkriese auch in einem Praktikum im hiesigen Staatsarchiv.

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