Es lebe die Tradition!

Glücksbringer mit langer Tradition: die Tunschere

In diesen Wochen wird im nördlichen Osnabrücker Land, an den Grenzen zum Emsland, wieder ein ganz besonderer alljährlicher Brauch gepflegt: das Tunschere bringen. Auch ich war an diesem Wochenende mit meiner Clique unterwegs, um lieben Freunden mit der Tunschere Glück für das neue Jahr zu wünschen.

Diese alte Tradition macht einfach riesig Spaß und wird hier von Generation zu Generation weitergegeben.

Die Tunschere ist ein regionaler Brauch zum neuen Jahr. Manchmal fungiert die Tunschere auch als Liebesbote.

Aber was hat es damit überhaupt auf sich? So eine Tunschere besteht grundsätzlich aus gekrülltem, das heißt zu feinen Locken geschabtem Weidenholz. Der phantasievollen Form und Verzierung, z.B. mit buntem Krepp- oder Seidenpapier, sind keine Grenzen gesetzt. In den ersten Januarwochen wird das Schmuckstück dann vor die Tür desjenigen gestellt, dem die Glückwünsche gelten sollen. Danach wird erstmal ein Zug durch das Dorf gemacht, um dem Beschenkten etwas Zeit zu verschaffen. Später geht er dann los, um seine Wohltäter zu suchen, die sich allerdings – so will es der Brauch – so lange wie möglich vor ihm verstecken. Auf diese Weise vergehen immer ein paar sehr vergnügliche Stunden. An diesem Samstag hat es uns besonderen Spaß gemacht, weil der Abend so winterlich und die Dorflandschaft von Eis und Schnee überzogen war. Da hat uns der Glühwein aus dem Rucksack natürlich richtig gut geschmeckt. Und schließlich gab es – als Dankeschön – noch leckere Spiegeleier und Heißwürstchen. Ein schöner, geselliger Abend war’s und ein toller Auftakt für das neue Jahr.

Wunderbare Berufung: Glücksbote

Fast noch interessanter als der Abend selber ist die Herstellung der Tunschere. Dazu habe ich Wihelm Fasthoff in Grafeld bei Berge besucht. Seit gut 60 Jahren nimmt er Bestellungen für Tunscheren aus vielen Orten an. Was wunderbar ist, denn die Anfertigung einer Tunschere ist sehr zeitaufwendig. Wilhelm Fasthoff versieht die Holzkrüllen in verschiedenen Größen direkt mit Papierblumen und dem Neujahrsgruß, Wünsche berücksichtigt der leidenschaftliche Bastler stets. Gut einen Tag Arbeit investiert er in die Herstellung einer Tunschere. Wie schon sein Großvater vor ihm, ist Wilhelm Fasthoff mit Leib und Seele dabei und zurecht sehr stolz auf seine Werke. Er freut sich schon auf den NDR-Fernsehbericht über das Tunscheren, der Weihnachten 2017 in der Reihe Landpartie laufen wird.

Prost Neujahr rufen wir nun aus, das neue Jahr bringt Glück ins Haus! Was wir im alten falsch getan, das fangen wir aufs Neue an.

Gut zu wissen

Die Geschichte dieses Brauches reicht bis ins 11. Jahrhundert, vermutlich sogar bis in die Zeit der Germanen zurück. Als „Tunschare“ bezeichnete man damals die Dorfbewohner mit eigenem Haus, die an den Grenzmauern eines Hofes wohnten. Diese Anwohner überbrachten zur Jahreswende dem Herrenhaus als Zeichen der Zuwendung ein Gesteck mit Holzblumen und bunten Bändern. Noch mehr „Geschichten vom platten Land“ findet ihr auf unserem Blogartikel Land in Sicht.

P.S.: Ein glückliches neues Jahr auch für euch!

Verfasser
Sandra Fenstermann
... fühlt sich als gebürtige Bippenerin der Samtgemeinde Fürstenau eng verbunden. "Ich liebe die Natur in dieser Region. Die Maiburg mit den tollen Spazierwegen, die schönen Angelgewässer, an denen meine Familie viel Zeit verbringt, die schönen Kirchen, das Fürstenauer Schloss, unsere Freibäder, die Draisinenstrecke und vor allem die vielen Traditionen, die hier von Jung und Alt gepflegt werden. Irgendwas ist hier immer los ..."

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