Stadt mit „Woll“fühl-Faktor: Bramsche

Auf den Spuren der Bramscher Tuchmacher

Das Hinweisschild an der A1 auf meiner Fahrt von Bremen nach Osnabrück hat mich neugierig gemacht: Im Tuchmacher Museum Bramsche gehe ich deshalb kurzerhand auf Tuchfühlung mit der historischen Stadtgeschichte.

Wolle von der Hase

Schön ist es hier in Bramsche! Altes Fachwerk und kleine Straßen mit Kopfsteinpflaster schaffen eine gemütliche und entschleunigende Atmosphäre. Aber das Beste: In Bramsche ist mein Lieblingselement Wasser überaus präsent! Hier verläuft nicht nur der Mittellandkanal, sondern auch der größte Nebenfluss der Ems, die Hase. Fast schon maritim, denke ich mir. Fehlen nur noch die Deichschafe, die sich mir in der Vergangenheit gerne bei meiner Fahrradtour entlang des Jadebusens in den Weg stellten. Den Schäfchen geht es hier in Bramsche allerdings traditionell vor allem an die Wolle. Über 400 Jahre lang verarbeiteten Bramscher Tuchmacher die Rohwolle zu feinem Tuch. Das Wasser der Hase war zum Waschen und Färben der Wolle und für den Antrieb der Walkmühle unverzichtbar.

Lasst die Puppen tanzen

Im Foyer vom Tuchmacher Museum Bramsche, in dem auch die Tourist-Info ansässig ist, treffe ich auf Madame Feodora, Bääärthold, Meister Klock und Jennifer. Bei diesen vier Herrschaften handelt es sich um Handpuppen, die sich zusammen mit Kindergartenkindern und Grundschülern auf die Suche nach der Wolle von Mutterschaf Wilma machen.

Auch ich erlebe in einer 60 minütigen Führung die 18 Arbeitsschritte, die notwendig sind, damit aus fettiger Rohwolle flauschig-weiche Wolldecken werden.

Bloß nicht den Faden verlieren

Die Zeitreise beginnt im ersten Stock: Mitte des 18. Jahrhunderts war mit dem Beruf des Spinners und Tuchmachers noch viel Handarbeit verbunden. So wurde die Wolle z.B. von Hand kardiert, um sie dann in weiteren Schritten zu Garn zu spinnen und schließlich zu Stoff zu verweben. Hier steht auch die sogenannte Spinning Jenny. Sie ist die erste industrielle Spinnmaschine, die der Erfinder James Hargreaves angeblich nach seiner Tochter benannte.

Im Tuchmacher Museum Bramsche wird die Geschichte der Textilproduktion spannend erzählt.

Von Spinnern zu Industriearbeitern

Im Erdgeschoss im Tuchmacher Museum Bramsche wird an laufenden historischen Maschinen die Produktion in der Zeit der Hochindustrialisierung erlebbar gemacht. Ohrenbetäubend rattert und rotiert die Spinnmaschine unter der fachmännischen Bedienung der Museumstechniker. In beeindruckendem Tempo sausen die sogenannten Schützen im Jacquard-Webstuhl von links nach rechts und rechts nach links. Mithilfe von Lochkarten entstehen so wunderschöne Muster im Webstoff.

Bramscher Rot

Das „Bramscher Rot“, eine leuchtend rote Krapp-Färbung, wurde im 18. Jahrhundert zum „Markenzeichen“ der hannoverschen Armee. Obwohl sich die Farbe der Soldaten-Uniformen ab 1837 zu Preußisch Blau änderte, ist das „Bramscher Rot“ noch heute ein beliebtes Mitbringsel in Form von Merinowolldecken aus hauseigener Museumsproduktion. Sie können im Museumsladen neben Literatur über die Historie der Tuchmacher(ei) und diversen Produkten zum Thema Schaf und Wolle käuflich erworben werden.

Ein Platz an der Sonne

Bei strahlend blauem Himmel und herrlichstem Sonnenschein suche ich mir ein schattiges Plätzchen unter einem der Sonnenschirme auf der großen Terrasse des Museumsrestaurants „Dat Wüllker Hus“. Mit direktem Blick auf das Museum und oberhalb des mit Seerosen bedeckten Mühlenteichs genieße ich mein schmackhaftes Mittagessen.

Die Speisekarte ist übersichtlich gehalten und bietet dennoch genügend Auswahl für jeden Geschmack. Ich entscheide mich angesichts des warmen Wetters für den „kleinen Blattsalat in Joghurtrahm mit frischem Obst und gebratenen Hähnchenstreifen dazu Baguette“. Die vegetarischen und veganen Gerichte werde ich bei meinem nächsten Besuch probieren. Denn Bramsche bietet definitiv einen „Wollfühlfaktor“.

Gut zu wissen

Meine Empfehlung: Der Besuch im Tuchmacher Museum in Bramsche lässt sich wunderbar mit einem Spaziergang durch den Bramscher Ortskern und mit einem Restaurantbesuch im „Dat Wüllker Hus“ kombinieren.

Mein Hinweis: Wer wärmeempfindlich ist, sollte seinen Museumsbesuch nicht unbedingt an heißen Sommertagen planen, da es in dem wunderschönen, alten Fachwerk in den oberen Etagen dann sehr warm werden kann.

Verfasser
Julia Otte
… ist Niedersächsin von Nord nach Süd. „Wasser ist mein Element. Aufgewachsen zwischen Weser und Hunte zog es mich zum Studium der Tourismuswirtschaft in den Norden an die Jade. Für das Aufbaustudium Management im Gesundheitswesen sagte ich dem Weltnaturerbe Wattenmeer schweren Herzens auf Wiedersehen und suchte mein persönliches „Glück in Osnabrück“. Ich kann sagen, dass ich es hier an der Hase gefunden habe. Den Sole-Kurort Bad Essen am Mittellandkanal lernte ich im Rahmen meiner Masterarbeit kennen und lieben.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte ausrechnen und eingeben *