Licht und Dunkelheit erleben

Die lichtsicht 6 in Bad Rothenfelde

Das Kurmittelhaus wäre ein prima Treffpunkt, wenn man sich mit Freunden die lichtsicht 6 anschauen will. Auch das Café Cœur’chen auf halbem Weg zwischen dem Neuen und dem Alten Gradierwerk wäre völlig ok und selbst die Bushaltestelle an der Bahnhofstraße ginge in Ordnung. Ein richtig blöder Treffpunkt hingegen ist William Kentridge – womit ich nichts gegen den südafrikanischen Künstler sagen möchte. Sein 15minütiger Film, der im mittleren Drittel des Neuen Gradierwerks gezeigt wird, ist sehr gut. Das weiß ich genau, denn ich habe ihn zwei Mal gesehen.

Die lichtsicht biennale in Bad Rothenfelde zeigt Medienkunst international bekannter Künstler, hier zum Beispiel eine Arbeit von William Kentridge

William Kentridge: More sweetly play the dance | Foto: Franz Wamhof

Treffpunkt im finsteren Park

Blöd an diesem Treffpunkt ist erstens, dass die Projektions-Biennale lichtlicht – ihrem Namen zum Trotz – eine sehr dunkle Veranstaltung ist. Natürlich gibt es mehr als 50 Hochleistungs-Beamer, die riesige Lichtbilder auf die insgesamt mehr als einen Kilometer langen Schwarzdornwälle, auf einige Fassaden und auf Wasserwände projizieren. Damit abendliche Besucher die Lichtbilder in ihrer vollen Pracht bewundern können, ist der Rundgang durch den Kurpark ansonsten jedoch finster wie im Kino – logisch eigentlich. Zweitens ist die Kentridge-Projektion deshalb ein unguter Treffpunkt, weil sie recht groß und genau in der Mitte des größeren der beiden Gradierwerke ist. Kurz gesagt: Ich habe meine Freundinnen dort zur vereinbarten Uhrzeit nicht gefunden.

Holger Förterer: Feuerwall | Foto Franz Wamhof
Kanjo Také: Mikado | Foto: Carola Löser

Die lichtsicht biennale in Bad Rothenfelde zeigt Medienkunst international bekannter Künstler, hier zum Beispiel eine Arbeit von Urbanscreen

Urbanscreen: Strukturen | Foto Eckhard Rössel

Suche in wechselnder Kulisse

Ärgerlich zunächst, aber letztlich hat sich ein lustiges Verwirr-Spiel mit eher absurden als klärenden Telefonaten entwickelt – und so der lichtsicht für uns einen zusätzlichen Reiz verschafft. Um einander zu finden, haben wir uns eine Zeit lang gegenseitig jeweils die Projektionen beschrieben, vor denen wir gerade standen. Das hilft aber nicht wirklich bei der Orientierung, denn das Besondere an der lichtsicht 6 ist, dass aufgrund der Vielzahl der gezeigten Licht-Kunstwerke viele der Projektionsflächen doppelt bespielt werden und sich so die Bilder laufend ändern. Zumindest ist uns so nicht langweilig geworden.

Die lichtsicht biennale in Bad Rothenfelde zeigt Medienkunst international bekannter Künstler, hier zum Beispiel eine Arbeit von Eyal Gever.

Eyal Gever: Water Dancer | Foto: Angela von Brill

Der doppelte Kentridge

Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Wir haben uns letzten Endes vor der Fontäne an der westlichen Stirnseite des Neuen Gradierwerks gefunden (auch ein guter Treffpunkt übrigens), haben dort gemeinsam die Water Dancer von Eyael Gever angeschaut. Und sind dann durch die salzig-kühle Abendluft in Richtung Café spaziert. Unterwegs haben wir noch länger bei Kentridge Station gemacht, den meine Freundinnen noch nicht kannten – sie waren zur verabredeten Zeit auf der gegenüber liegenden Seite des Gradierwerks.

Aber wie gesagt: Sein wunderbares Licht-Kunstwerk More sweetly play the dance kann man sich sehr gut zwei Mal anschauen.

Gut zu wissen

Bei Tag sind das Alte & Neue Gradierwerk in Bad Rothenfelde beschauliche Ort zum Bummeln. Nach Einbruch der Dunkelheit zeigen sie während der lichtsicht Bad Rothenfelde dann ihr anderes Gesicht. Hochleistungs-Beamer werfen bewegte Bilder auf die bis zu elf Meter hohen und insgesamt rund einen Kilometer langen Schwarzdorn-Wälle der Gradierwerke.  Der Eintritt ist frei. Noch bis zum 11. Februar 2018 lädt die lichtsicht 6-Projektions-Biennale mit insgesamt 20 Arbeiten von 20 Künstlern zum Betrachten, Genießen – und natürlich: zum Nachdenken ein.

Alle Infos (und einen Übersichtsplan!) zur Ausstellung & Führungen findet ihr auf der Webseite der Projektions-Biennale in Bad Rothenfelde.

Die lichtsicht biennale in Bad Rothenfelde zeigt Medienkunst international bekannter Künstler, hier zum Beispiel eine Arbeit von Ryoji Ikeda.

Ryoji Ikeda: The radar | Foto: Franz Wamhof

Headerbild: AES&F: The feast of the Trimalchio | Foto: Carola Löser

Verfasser
Anja Hehmann
... kommt gebürtig aus dem Osnabrücker Land, wohnt in Osnabrück und liebt die Region und ihre Bewohner. "Meinen Urlaub verbringe ich am liebsten in England, Frankreich oder in Italien. Dort genieße ich am meisten das, was ich zuhause auch schätze: Menschen und Orte mit Charakter, grüne Hügel und Bewegung in guter, gesunder Luft. Beim Laufen, Reiten und Yoga trainiere ich dann die Kalorien ab, die mir mein großer Enthusiasmus für Nachtisch, Kuchen und Co. beschert. Tipp: Das Café Carl im Kaufhaus Schäffer."

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