Ich glaub, ich steh im Wald …

Den Wald mit Kubikus neu entdecken

Bei einem Spaziergang durch den Sole-Park Bad Essen in Richtung Wiehengebirge stoße ich auf ein hölzernes Gebäude. Dabei fällt mir der ungewöhnliche Namensschriftzug „Kubikus“ direkt ins Auge. Auf einer nahestehenden Infotafel lese ich: „Kubikus steht für `Kreative Umweltbildung für alle Generationen´ im Wittlager Land“.
Da drängt sich mir sofort die Frage auf: „Was kann ich mir darunter konkret vorstellen?“ Dass Waldkindergärten immer beliebter werden und dort viel für die Umweltbildung getan wird, habe ich bereits durch meine jüngeren Cousinen und meinen Neffen erfahren. Um mir ein genaueres Bild vom vielfältigen Kubikus-Angebot machen zu können, nehme ich kurzerhand am Waldentdeckerprogamm teil.

Beim Projekt Kubikus lernen die Kinder im Wald von Bad Essen zum Beispiel Waldmeister kennen.

Ich glaub ich steh´ im Wald

Da bin ich nun und treffe am Haus Sonnenwinkel auf eine 3. Klasse der Grundschule Lintorf, die sich gerade auf großer Abschlussfahrt befindet. Nicole Hess wird am Nachmittag durch das dreistündige Programm führen. Am Vormittag hat die Gruppe bereits eine moderne Form der Schatzsuche bzw. Schnitzeljagd unternommen, das sogenannte Geocaching. Das Lösen und Beantworten von Aufgaben und Fragen liefert Koordinaten, die mithilfe von GPS-Empfängern zum Schatz führen. Im Waldentdeckerprogramm geht es nun darum, zu erfahren, was man im Wald essen kann, welche Tiere im heimischen Wald zu Hause sind und welche Spuren sie hinterlassen.

Treffpunkt von Kubikus ist das Haus Sonnenwinkel in Bad Essen-Lintorf. Hier trifft Julia auf die Kinder der 3. Klasse.

Überlebenswichtig

Am Wegesrand suchen wir nach essbaren Pflanzen, wie etwa der Knoblauchsrauke oder der Brennnessel. Auch die jungen Blätter der Buche sind zum Verzehr geeignet, wie Nicole Hess den interessierten Kindern erzählt. Neugierig und ohne zu zögern wird diese Aussage sofort von den Grundschülern auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Obwohl die meisten Kinder wissen, dass Löwenzahn und Pusteblume ein und dieselbe Pflanze sind, sind einige dennoch überrascht, dass man auch diese essen kann.

Waldmeister und Holunder sind unter den Grundschülern weniger bekannt. Beim Probieren der Blätter des Waldmeisters ruft ein Kind begeistert aus: „Das schmeckt ja wirklich wie Waldmeister!“ Mit großer Begeisterung widmen sich die Kinder auch den Kletten und verwenden die Pflanze sogleich wortwörtlich, indem sie sich diese gegenseitig an die Kleidung kletten.

Die Kinder von Kubikus wissen genau, dass Löwenzahn und Pusteblume dieselbe Pflanze ist.

Mutprobe

Es folgt eine Mutprobe. Mehr wird vorerst nicht verraten. Einzige Anweisung: „Sucht euch einen Stock, mindestens hüfthoch und er darf nicht morsch sein!“

Die Kinder stellen sich nun immer zu zweit gegenüber auf und fassen den Stock an den Enden. Dicht nebeneinander gereiht entsteht so eine Art „Hänge-Brücke“, über die die Kinder nacheinander laufen. Diese Aufgabe erfordert Mut und Vertrauen. Vertrauen in sich selbst, aber auch in die Mitschüler und die Tragfähigkeit der gesammelten Äste. Während des Hindernislaufs kann sich der oder die Mutige an Kopf oder Schulter der Klassenkameraden abstützen, um das Gleichgewicht besser halten zu können.

Bei den ersten Mutigen bersten ein paar Äste, die dann aussortiert werden. So wird es für die nachfolgenden Klassenkameraden etwas sicherer, aber nicht weniger aufregend. Diejenigen, die sich nicht über das Hindernis trauen, hangeln sich an den Ästen unterdurch. Am Ende der Mutprobe hat jedes Kind ein Erfolgserlebnis, welches sich im breiten Grinsen auf den Gesichtern zeigt.

Die sogenannte Mutprobe ist eine kreative Idee von Kubikus. So werden Vertrauen und Zusammenhalt gestärkt.

Unterschlupf für die Nacht

In Kleingruppen bauen die Kinder kleine Unterschlupfe zum Schutz vor Wind und Wetter, auch wenn keiner so recht glaubt, dass sie darin wirklich die Nacht im Wald verbringen werden. Drittklässler lassen sich so leicht keinen Bären mehr aufbinden, auch nicht im Wald.

Stattdessen wird schon bald gefragt, wann es endlich zurück in die Familienferienstätte gehe und was es am Abend zu essen gebe.

Auch der Bau eines Unterschlupfs im Wald von Bad Essen gehört zu Kubikus dazu.

Tierisch was los

Im Wald-Quiz erraten die Grundschüler heimische Tierstimmen: Neben Uhu, Waldkauz und Nachtigall sind ebenfalls ein Fuchs, ein Wolfsrudel, eine Wildschweinfamilie (Keiler, Bache und Frischlinge) sowie ein Rehbock und ein Reh mit ihren Kitzen zu hören. Allerdings „nur“ vom Band. Live und in Farbe gibt es hingegen Wildschweinspuren und Rehnester zu bewundern.

Als Nächstes betrachten wir den Zunderschwamm. Dieser Pilz wurde in der Steinzeit als Brennmaterial zum Feuer machen genutzt. Daher auch das Sprichwort: „Das brennt wie Zunder.“ Wir lernen dann, wie sich Nadelbäume unterscheiden lassen: So hängen die Zapfen der Fichte geschützt unter dem Ast, während Tannenzapfen oben auf dem Ast stehen (wie Kerzen auf dem Weihnachtsbaum) und die Lärche verliert ihre Nadeln im Winter.
Interessant und gleichzeitig besorgniserregend sind die Spuren des Borkenkäfers: die Rinde einer Fichte weist deutliche Fraßgänge der Borkenkäfer-Larven auf. Um dem Baumsterben entgegen zu wirken, können zwar Fallen aufgestellt werden, der Specht jedoch bietet einen natürlichen Schutz gegen den Schädling.

Obwohl das Interesse an den Bewohnern des Waldes groß ist, dominiert bei einigen Waldentdeckern die Angst vor kleinen Krabbeltieren. Insbesondere Zecken sind äußerst unbeliebt. Der Tausendfüßler jedoch wird begeistert bewundert und krabbelt von Hand zu Hand.

Heimische Tiere und Pflanzen kennenlernen - diese Chance bietet Kubikus in Bad Essen.

Spielerisch

Beim Tauziehen können sich alle dann noch einmal so richtig auspowern. Die Team-Konstellation Jungen gegen Mädchen ist dabei besonders gefragt.
Abschließend findet das sogenannte Jagdspiel statt: Im Kreis aufgestellt wird zunächst das Eichhörnchen in die Runde geschickt (dabei macht jeder reihum die entsprechende Tierstimme und Geste nach), dann wird wenig später der Jäger auf das Eichhörnchen losgelassen (begleitet von einem „Peng“-Geräusch und einer „Gewehrschuss“-Geste). Das Ergebnis: In dieser Spielrunde hat das Eichhörnchen überlebt, da der Jäger es nicht einholen konnte. In der zweiten Spielrunde jagt dann der Wolf das Schaf, wieder jeweils mit einem Geräusch und einer Geste. Dieses Mal überrundet das Schaf sogar den Jäger, sodass der Wolf zum Gejagten wird.

Austoben können sich die Kinder vom Projekt Kubikus im Wald beim Tauziehen.

Gut zu wissen

Das „Waldentdeckerprogramm“ richtet sich an Schulkinder von der ersten bis zur fünften Klasse und dauert ca. drei Stunden. Für Vorschulklassen gibt es die „Zwergengoldsuche“: Das ca. zweistündige Programm „entführt“ die Kinder in eine Fantasiewelt mit Feen und Elfen.

Ganz neu im Kubikus-Programm ist das „Waldtheater“. Dieses Angebot richtet sich an Schulklassen von der Grundschule bis zur achten Klasse und ist ideal für Klassenfahrten. Ausgelegt ist das Programm auf eine Dauer von mindestens vier Stunden (an einem Tag), wobei aus theaterpädagogischer Sicht sechs Stunden (verteilt auf zwei Tage) sinnvoll sind. Das Vorgehen sieht wie folgt aus: Während am ersten Tag ein Theaterstück vorgegeben wird, darf sich die Klasse am zweiten Tag ein eigenes Stück aussuchen. Dadurch werden aktuelle Probleme oder Konflikte innerhalb der Klassengemeinschaft aufgegriffen und verarbeitet. Dies kann die Gruppendynamik positiv beeinflussen. Den Abschluss bildet die Aufführung des Theaterstücks auf der Waldbühne beim Kubikus. Selbst gebastelte Masken erleichtern das freie Spiel.

Darüber hinaus bietet Kubikus auch sogenannte offene Angebote für Familien mit Kindern an: Am 20. August 2017 lädt Kubikus herzlich zum Sommerfest im Familienpark ein. Ein weiteres Familien-Event findet am 09. September statt, das Lichterfest im Solepark.

Weitere Informationen sowie Termine gibt es auf der Internetseite von Kubikus.

Für alle, die den Wald doch lieber bei einer Wanderung erkunden wollen, hat Ulrike einen tollen Tipp für euch!

Verfasser
Julia Otte
… ist Niedersächsin von Nord nach Süd. „Wasser ist mein Element. Aufgewachsen zwischen Weser und Hunte zog es mich zum Studium der Tourismuswirtschaft in den Norden an die Jade. Für das Aufbaustudium Management im Gesundheitswesen sagte ich dem Weltnaturerbe Wattenmeer schweren Herzens auf Wiedersehen und suchte mein persönliches „Glück in Osnabrück“. Ich kann sagen, dass ich es hier an der Hase gefunden habe. Den Sole-Kurort Bad Essen am Mittellandkanal lernte ich im Rahmen meiner Masterarbeit kennen und lieben.“

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