Gute Luft wie an der Nordsee

Nordseeklima in Bad Rothenfelde

Bad Rothenfelde ist ein sehr schöner Kurort im Süden vom Osnabrücker Land. Geprägt wird er von seinen zwei Gradierwerken im Herzen des Städtchens. Jetzt werden sich einige fragen, was denn ein Gradierwerk ist. Als ich das erste Mal dort war, wusste ich es auch noch nicht. Dankenswerterweise habe ich im August eine Führung übers „Neue Gradierwerk“ (Baujahr 1822-1824) von Thomas Wilker bekommen. Kurz gesagt: mit Hilfe eines Gradierwerks wird Sole durch das Verdampfen von Wasser konzentriert. Nebenbei wird die Umgebungsluft durch das heruntertröpfelnde Wasser und den Wind mit Sole angereichert. In und um das Gradierwerk herum entsteht dadurch ein Mikroklima wie an der Nordsee. Bestens geeignet also für pollengeplagte Allergiker und wohltuend bei allen Beschwerden der oberen Atemwege, z.B. den Nasennebenhöhlen oder aber auch Asthma. Außerdem ist an heißen Tagen wie heute der Aufenthalt am Gradierwerk durch die befeuchtete, kühle Luft sehr erfrischend.

Kathrin Krockauer ist für den Blog vom Osnabrücker Land unterwegs in Bad Rothenfelde und bekommt von Thomas Wilker eine Führung über das Neue Gradierwerk.

Auf dem Gradierwerk über den Dächern der Stadt

Auf meiner Führung über das Gradierwerk, mit einer wunderbaren Aussicht über Bad Rothenfelde erfuhr ich, dass die Sole insgesamt dreimal rauf und wieder runter gepumpt wird und zum Schluss, im letzten Becken, auf dem Dach des Gradierwerks, einen Solegehalt von ca. 25% hat. Die Sole des „Neuen Gradierwerkes“ wird verdünnt zum Beispiel im carpesol, dem wirklich schönen Wellness-Tempel in Bad Rothenfelde noch heute eingesetzt. Die Pumpvorgänge finden heute mit elektrischen Pumpen statt. Früher dagegen, wurde die noch heute zu Schauzwecken vorhandene Windmühle auf dem Gradierwerk dazu verwendet. Im 18. Jh. wurde in Bad Rothenfelde zusätzlich zum Kurbetrieb aus der Saline, die die Gradierwerke speist, Speisesalz gewonnen, ca. 870.000 kg pro Jahr. Die Speisesalzherstellung wurde jedoch aus Rentabilitätsgründen schon vor langer Zeit eingestellt. In der aktiven Zeit war es jedoch ein beliebtes Schmugglergut, dass ist aber eine andere Geschichte.

Holz und Kupfer für ein langes Leben

Das 412 m lange Gradierwerk ist vollständig aus Holz, selbst Verbindungskeile und Becken sind aus Holz. Die Leitungen aus Kupfer. Jedes andere Material würde aufgrund der salzigen Umgebung in kürzester Zeit zerstört werden. Das verwendete Holz des Grundgerüstes dagegen befindet sich zum großen Teil schon seit knapp 200 Jahren an seinem Platz. Dass es älter ist sieht man an seiner faserigen äußeren Struktur. Laut Thomas Wilker nutzen Wespen und Hornissen das alte Holz gerne um Baumaterialien für ihre Nester zu gewinnen. Auf meinem Rundweg über das Gradierwerk habe ich tatsächlich so einige knabbernde Wespen gesehen.

Das Gradierwerk in Bad Rothenfelde im Osnabrücker Land liegt wunderbar eingebettet in den Kurpark und ganz zentral zu allen Kureinrichtungen sowie den Geschäften und Cafés in der Innenstadt.

Für die Füllung der Rieselflächen wird Schwarzdorn verwendet. Eine Strauchart, die aufgrund ihrer sehr verästelten Aststruktur auffällt. Wenn man neben dem Werk steht kann man es sehr gut erkennen.

Auch sieht man welche Astpakete am längsten im Gradierwerk stecken. Wie? Tja, geh es dir ansehen, du wirst es erkennen!

Schwarzdorn wird, aufgrund des Aufwands und der Personalkosten, heute fast nur noch in Polen von wenigen Unternehmern geschlagen. Thomas Wilker erklärt mir, dass für ein kleines Abteil im Gradierwerk rund 35 Schwarzdorn-Pakete benötigt werden. Ein Arbeiter braucht ca. EINE Stunde für FÜNF Pakete. Schon heftig, wenn man sich anguckt wie viele Pakete Schwarzdorn für das 412 m lange, von beiden Seiten bestückte Gradierwerk benötigt werden. Immerhin sind es ca. 8.300 qm Fläche.

Algen, alles voller Algen!

…in den Becken mit der Sole… Wie sie dahin kommen und was das für Algen sind, weiß keiner so genau. Sie sind rostrot/braun und beim Anfassen steigen viele Luftblässchen auf. Bis heute hat Thomas Wilker mit vielen Biologen gesprochen, aber niemand konnte ihm eine vernünftige Antwort geben. Also falls hier ein Algen-Experte mitliest, Thomas Wilker sucht noch eine schlüssige Erklärung und viele Antworten auf seine Fragen.

Gleich nebenan befindet sich der Kurpark mit Wassertretbecken, Rosengarten, Teichen, dem womöglich gesündesten Tennisclub abseits der Küste und vielen Wegen zum Flanieren. Auch hier spürt man die angenehm salzige Luft noch deutlich, je nachdem aus welcher Richtung der Wind kommt.

Kathrin Krockauer ist für den Blog vom Osnabrücker Land unterwegs in Bad Rothenfelde und freut sich im Kurpark über die kühle Luft rund um das Gradierwerk.

Gut zu wissen

Der beste Ort zum Einatmen der guten Luft ist die eigens dafür eingerichtete Inhalationskammer. Wie lange Du dann in dem Raum ausharrst, ist abhängig von deiner Ausdauer. Die Faustregel lautet bis maximal 20 Minuten. Der Gang und die Kammer sind übrigens barrierefrei.

Öffnungszeiten

April – Oktober
Montag – Samstag
10.00 – 12.00 Uhr
15.00 – 17.00 Uhr

Sonn- und Feiertage
10.00 – 12.00 Uhr
13.30 – 17.00 Uhr

November – März
Montag – Sonntag 13.00 – 15.30 Uhr

www.bad-rothenfelde.de

Verfasser
Kathrin Krockauer
… hat schon in Berlin, Köln und Hannover gelebt. "Nun wohne ich mitten in Osnabrück und lerne die Stadt und das Osnabrücker Land langsam aber sicher kennen und lieben. Zusammen mit Fahrrad, Hund und Pferd erkunde ich häufig die unterschiedlichen Seiten der Region, aber genauso wie aktiv zu sein, liebe ich es auch einfach mal die Seele baumeln zu lassen."

Kommentare

2 Kommentare
  1. von
    Franke
    25. März 2017 Antworten

    Habe leider nichts genaues über die Verwendung der zum Bau benutzten Holzart gefunden.

    • von
      Kathrin Krockauer
      27. März 2017 Antworten

      Hallo Frau Franke,
      der Schwarzdorn oder auch Schlehdorn oder Schlehe wird für die „Rieselflächen“ aufgrund seiner fein verästelten Struktur verwendet. Es ist sehr hart. So können sich die Minerale optimal an den Ästen anreichern. Ansonsten werden die Früchte der Schlehe gern zur Getränke- oder Marmeladenherstellung genutzt.

      Schöne, sonnige Grüße aus Osnabrück
      Kathrin

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