Fahr Rad!

Zwei Niedersachsen auf der Niedersachsentour

Als waschechte Niedersachsen machen wir uns heute auf den Weg, die gleichnamige knapp 30 Kilometer lange Fahrradtour zu radeln. Die Niedersachsentour, kurz NST, führt vom Ortskern des Solekurortes Bad Essen, vorbei an Schloss Hünnefeld und Schloss Ippenburg, bis knapp über die Landesgrenze zum nordrhein-westfälischen Ausflugslokal „Rila erleben“ in Stemwede und am Mittellandkanal entlang zurück zum Ausgangspunkt.

Ich fahre gerne Fahrrad und das in so ziemlich jeder Lebenslage: sei es zum Einkaufen, zur Arbeit oder wie heute an einem sonnigen Wochenende als Freizeitbeschäftigung. Die Anreise zum Ausgangspunkt der Niedersachsentour gestalten wir dennoch mit dem Auto: schnell die beiden Räder auf dem Träger verstaut und die gedankliche Checkliste abgehakt – zwei Personen, zwei Fahrräder, eine Kühltasche mit Proviant und ganz wichtig die Fahrradkarte der Niedersachsentour – alles da. Also los!

Schwing dich in den Sattel!

Beim Schafstall neben der alten Wassermühle – dem Wahrzeichen des idyllischen Sole-Kurorts Bad Essen – starten wir unsere Niedersachsentour. Es geht entlang der Lindenstraße, vorbei am wunderschönen historischen Kirchplatz Richtung Mittellandkanal. Beim Überqueren der ersten Kanalbrücke halten wir an und genießen den tollen Ausblick. In der majestätisch dahin fließenden Wasserstraße, welche den Blick zur Marina – dem Hafen von Bad Essen – lenkt, spiegelt sich die goldene Spätsommer-Sonne. Einfach herrlich! Nach kurzem Verweilen geht es weiter, ca. 28 km liegen noch vor uns.

Tritt in die Pedale!

Vorbei an Wiesen und Kornfeldern geht es weiter in Richtung Schloss Hünnefeld. Die Strecke weist keine Erhebungen auf und lässt sich gut fahren, sodass wir etwas schneller in die Pedale treten. Nach kurzer Zeit sehen wir den runden Taubenturm der Schlossanlage aus dem frühen 12. Jahrhundert. Eine kopfsteingepflasterte Zufahrt führt zum repräsentativen Herrenhaus, das um 1600 vom Ehepaar von dem Bussche errichtet wurde.

Herrschaftlich Kaffeetrinken

In der großzügig gestalteten Anlage befindet sich – vis-à-vis mit dem Schloss – das Café Alte Rentei. Im Cafégarten nehmen wir auf urigen Gartenmöbeln im Schatten alter Bäume Platz und bestellen uns – typisch norddeutsch – ein Kännchen Ostfriesentee. Leckeren Kuchen und diverse Kaffeespezialitäten gibt es hier aber selbstverständlich auch. In dieser historisch-romantischen Atmosphäre lässt es sich gut aushalten. Zu gut! Der Blick auf die Uhr verrät, wir sollten weiterradeln, denn es liegt noch ein gutes Stück der Strecke vor uns. Einen letzten prüfenden Blick auf die Fahrradkarte, dann fahren wir entlang der idyllischen Clamors Allee weiter.

Holunder im Himmelreich

Die Route führt uns durch eine ruhige Wohngegend mit dem wohlklingenden Straßennamen Himmelreich. Das nenne ich mal eine gute Adresse! Den Hinweisschildern folgend geht es weiter, vorbei an Schloss Ippenburg, quer durch die vertraute niedersächsische Agrarlandschaft. Wohin das Auge reicht nur Wiesen und Felder, ab und zu ein Waldgebiet und Wassergräben. Herrlich, diese Ruhe und Abgeschiedenheit! Am Wegesrand entdecke ich den für diese Gegend bekannten Holunder. Die weißen kleinen Blüten sind bereits den dunkelvioletten Beeren gewichen. Es ist Spätsommer geworden, die Rotorblätter der Windkraftanlagen werfen lange Schatten und die Mais- und Kornfelder stehen kurz vor der Ernte.

Grenzüberschreitende Niedersachsentour

Schwuppdiwupp sind wir Niedersachsen auch schon über die Landesgrenze geradelt und auf der Zielgeraden Richtung Abendessen. Im „Rila erleben“ – einer ansprechenden Eventlocation mit Themengärten – angekommen, nehmen wir an einem kleinen, runden, blauen Metalltischchen zwischen Olivenbäumchen und Koikarpfenteich mit Blick auf die griechische Taverne „Asteraki Moy“ Platz. Hungrig studieren wir die Speisekarte und entscheiden uns für eine Flammkuchenauswahl. Lecker im Geschmack – aber nicht ganz günstig. Das mediterrane Urlaubsambiente hat seinen Preis.

Die 30 km lange Niedersachsentour startet in Bad Essen im Osnabrücker Land. In Stemwede gibt es in der Erlebnisgastronomie Rila erleben leckere Flammkuchen zur Stärkung.

Im Mondesschein

Ich muss zugeben, die Rückfahrt gestaltet sich herausfordernder als gedacht. Die Bestellung und das Warten auf das Essen haben länger gedauert als geplant, sodass es bereits dämmert, als wir uns für den Rückweg in den Sattel schwingen. Nun aber flott! Schließlich liegt noch knapp die Hälfte der Gesamtstrecke der Niedersachsentour vor uns. Im Mondesschein und mit Unterstützung der kleinen Lichtkegel unserer Fahrradlampen bahnen wir uns den Weg, immer entlang des Mittellandkanals. Das fordert erhöhte Aufmerksamkeit. Beim Überqueren der letzten Kanalbrücke auf dieser Tour verabschiedet sich die Sonne in der Abenddämmerung während sich der aufsteigende Mond bereits in der schwarzen Wasseroberfläche spiegelt.

Dieser traumhafte Blick entschädigt für die kleinen Anstrengungen und lässt uns zufrieden am Ausgangspunkt unserer Niedersachsentour ankommen.

Gut zu wissen

Die kleine Niedersachsentour-Karte gibt es kostenlos und ist erhältlich in der Tourist-Info in Bad Essen. Fahrräder und E-Bikes können vor Ort im Fahrradhaus Lilier geliehen werden.

Im Zeitraum vom 1. Mai bis 3. Oktober kann auch der FreizeitBus genutzt werden. An Sonn- und Feiertagen geht es regelmäßig ab Osnabrück Richtung u.a. Bad Essen. Die Busse verfügen über spezielle Fahrradanhänger, sodass das eigene Fahrrad bequem mitgenommen werden kann.

Das Café Alte Rentei hat freitags von 14 bis 18 Uhr und samstags wie sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Von Mitte Dezember bis Ende Januar hat das Café Betriebsurlaub.

Im „Rila erleben“ empfiehlt es sich einen Tisch in einem der Restaurants zu reservieren. Die Location ist zeitweise sehr gut besucht und genau aus diesem Grund kann die Bestellung unter Umständen auch etwas länger dauern.

Verfasser
Julia Otte
… ist Niedersächsin von Nord nach Süd. „Wasser ist mein Element. Aufgewachsen zwischen Weser und Hunte zog es mich zum Studium der Tourismuswirtschaft in den Norden an die Jade. Für das Aufbaustudium Management im Gesundheitswesen sagte ich dem Weltnaturerbe Wattenmeer schweren Herzens auf Wiedersehen und suchte mein persönliches „Glück in Osnabrück“. Ich kann sagen, dass ich es hier an der Hase gefunden habe. Den Sole-Kurort Bad Essen am Mittellandkanal lernte ich im Rahmen meiner Masterarbeit kennen und lieben.“

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