Kunst. Schau!

Das European Media Art Festival in Osnabrück

„Beauuuutiful!!“ – hallt es zur Eröffnung vom 30. European Media Art Festival durch das Kirchenschiff der Kunsthalle Osnabrück. Ein eher kleiner Mann mit dunkler Haartolle und Seidenblouson betritt den Raum. Er steuert direkt auf einen großen Teich mit schwarzem Wasser darin zu, der in der Mitte des Raumes aufgebaut wurde. Darauf schwimmen weiße und schwarze Schwäne. Wobei: eigentlich sind es keine Schwäne. Es sind Satellitenschüsseln, deren Arme für die Signalumsetzer so geschwungen sind wie die Hälse von Schwänen. Sie produzieren Töne und Bewegungen. Der kleine Mann, der seiner Begeisterung lautstark Luft gemacht hat, das ist Marco Barotti – der Künstler, der „Swans“ (zu Deutsch: Schwäne) geschaffen hat.

Marco Barotti und seine „Swans“ in der Kunsthalle Osnabrück | Foto: Angela von Brill

Es ist das erste Mal, dass Barotti seine Soundinstallation innerhalb eines Gebäudes zeigt, nicht draußen, in einem Park. Doch nicht nur deshalb hat er allen Grund zu schwärmen: Die Fenster des Kirchenschiffes sind zum ersten Mal während des European Media Art Festival nicht mit schwarzem Mollton verhängt; die Mosaike in ihren Scheiben spiegeln sich auf der Oberfläche des künstlichen Teiches. Eine Installation wie geschaffen für die Räume der Kunsthalle!

Internationale Medienkunst in der Kunsthalle Osnabrück

Marco Barotti ist inzwischen abgereist, das European Media Art Festival 2017 ist nach fünf Tagen vorbei. Viel zu kurz, wie ich finde. Die drei Festivalleiter Hermann Nöring, Alfred Rotert und Ralf Sausmikat haben es auch diesmal wieder verstanden, hervorragende, international bekannte Künstler nach Osnabrück zu holen. Glücklicherweise ist die Ausstellung in der Kunsthalle Osnabrück aber noch bis zum 21. Mai 2017 zu sehen. Titel der Ausstellung in diesem Jahr ist „PUSH | Leben in Zeiten der Hyperinformation“. Es geht dabei um eine kritische Auseinandersetzung mit den vielen Nachrichten und Informationen, mit denen wir täglich konfrontiert werden und natürlich auch – unter anderem – um die Frage, wer diese Daten zu welchen Zwecken nutzt.

Vom Buchstaben zum Klang. Vom Klang zur Farbe.  O.T. 875 von Stefan Reiss | Foto: Sven Christian Finke-Ennen

So glitzert unweit von Marco Barottis Arbeit eine silberne Handgranate. Sie liegt auf einem Podest, nebenan eine Pistole und ein Maschinengewehr. Alle drei sind nicht echt; sie stammen aus einem 3D-Drucker. Die Bauanleitung dazu fand die Österreicherin Alexandra Ehrlich Speiser im Darknet, dem dunklen, anonymen Teil des Internets. Diese Daten hat sie gehackt und manipuliert, so dass völlig unbrauchbare Waffen aus dem 3D-Drucker kamen.

Nachdenklich stimmt auch „Territory“ von Yvon Chabrowski. Die Leipzigerin hat einen Raum gefilmt, der sich mehr und mehr mit Menschen füllt. Sie lagern sich auf- und nebeneinander, sie halten sich aneinander fest, um jedes bisschen Platz auszunutzen, den der enge Raum bietet. Diese Bilder werden in der Kunsthalle Osnabrück auf den Boden projiziert – an einer Stelle, an der eigentlich nur ein schmaler Durchgang ist.

Es ist interessant zu beobachten, wie die Besucher reagieren. Stapfen sie einfach über die Menschen hinweg? Oder versuchen sie, die Videoinstallation über den schmalen Steg, den Chabrowski in der Mitte gelassen hat, zu überwinden?

Gut zu wissen

Schon mal vormerken! Filmprogramme, Ausstellungen, eine wissenschaftliche Konferenz und mehrere Performances – man darf gespannt sein, was das European Media Art Festival im kommenden Jahr vom 18. bis 22. April 2018 zu bieten hat.


Ein herzlicher Dank gilt Katharina Lohmeyer – Pressereferentin des European Media Art Festivals – für ihre freundliche und kompetente Begleitung durch die Ausstellung.


Übrigens: Die Osnabrücker Museen laden wieder zum Internationalen Museumstag ein, der in diesem Jahr unter dem Motto „Spurensuche. Mut zur Verantwortung“ steht. Am Sonntag, 21. Mai, gibt es ein vielfältiges und spannendes Programm bei freiem Eintritt im Felix-Nussbaum-Haus/Kulturgeschichtliches Museum, im Museum am Schölerberg, im Diözesanmuseum Osnabrück, in der Kunsthalle Osnabrück, im Museum Industriekultur und im Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrum.

Verfasser
Anja Hehmann
... kommt gebürtig aus dem Osnabrücker Land, wohnt in Osnabrück und liebt die Region und ihre Bewohner. "Meinen Urlaub verbringe ich am liebsten in England, Frankreich oder in Italien. Dort genieße ich am meisten das, was ich zuhause auch schätze: Menschen und Orte mit Charakter, grüne Hügel und Bewegung in guter, gesunder Luft. Beim Laufen, Reiten und Yoga trainiere ich dann die Kalorien ab, die mir mein großer Enthusiasmus für Nachtisch, Kuchen und Co. beschert. Tipp: Das Café Carl im Kaufhaus Schäffer."

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